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ENTDECKUNGEN | Licht und Glaube | Glasfensterentwürfe von József Viktorián Pituk

2026. September 24. - Oktober 18.

Der als Maler, Grafiker und Glasfensterkünstler gleichermaßen bedeutende József Viktorián Pituk (1906–1991)  wurde in Selmecbánya (Schemnitz/Banská Štiavnica) geboren. Von 1928 bis 1932 studierte er an der Ungarischen Hochschule für Bildende Künste, wo Oszkár Glatz sein Lehrer war. Neben seinem malerischen und grafischen Schaffen bilden seine monumentalen Glasfenster und die dafür entstandenen Entwürfe ein besonders bedeutendes, bis heute jedoch vergleichsweise wenig bekanntes Kapitel seines Œuvres. Zu den wichtigsten und bis heute erhaltenen Hauptwerken seiner Glasmalerei zählen die sechs zwischen 1978 und 1980 für die Kapelle der Heiligen Rechten in der St.-Stephans-Basilika in Budapest entworfenen Fenster mit Darstellungen ungarischer Heiliger. Sie zeigen den heiligen Stephan, die selige Gisela, den heiligen Emmerich, den heiligen Ladislaus, die heilige Elisabeth und die heilige Margareta. Diese Arbeiten zählen zu den wichtigsten Bezugspunkten in Pituks monumentalem glasmalerischem Œuvre und veranschaulichen eindrucksvoll, wie er figurative Tradition, monumentale Komposition und die Ausdruckskraft des durch farbiges Glas einfallenden Lichts miteinander verband.

Auf diesem Gebiet führte Pituk eine der großen Traditionen der ungarischen Glasmalerei des 20. Jahrhunderts fort: Sein Schaffen schlägt eine Brücke zwischen dem vor allem mit dem Namen Miksa Róth (1865–1944) verbundenen Erbe der Jahrhundertwende und der modernen monumentalen Kunst der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Seine kirchlichen und profanen Auftragsarbeiten erstrecken sich über mehrere Jahrzehnte, von den in den 1940er Jahren entstandenen Fenstern des Zentralen Priesterseminars in Budapest bis hin zu Glasfensterkompositionen in Kaposvár, Besnyő und Kecskéd. Für den Altarraum der Kirche der Ewigen Anbetung schuf er zwischen 1957 und 1960 fünf eucharistischen Themen gewidmete Glasfenster mit Darstellungen Christi. Mehr als sechs Jahrzehnte lang gehörten sie zu den prägenden künstlerischen Elementen der Kirche, bevor sie 2020 ausgebaut wurden. Ein wichtiges Beispiel seiner monumentalen Glasmalerei mit profaner, historischer Thematik ist zudem die 1960 entstandene Komposition „Die Einnahme der Budaer Burg am 21. Mai 1849“, die sich bis heute an ihrem ursprünglichen Standort in einem öffentlichen Gebäude im Budaer Burgviertel befindet.

Im Mittelpunkt unserer anlässlich des 120. Geburtstags des Künstlers veranstalteten Kabinettausstellung, deren Werke zugleich zum Verkauf angeboten werden, steht ein aus einer Sammlung stammendes Ensemble von Glasfensterentwürfen, das bislang noch nie öffentlich gezeigt wurde. Die Auswahl umfasst rund zwölf kleinere Originalarbeiten sowie dazugehöriges dokumentarisches und illustratives Material. Anhand von Bleistift-, Aquarell- und Gouachestudien gewährt sie Einblick in Pituks künstlerischen Schaffensprozess – von der ersten figürlichen Idee bis hin zu detailliert ausgearbeiteten Kompositionen, in denen bereits die spätere Bleiverglasung berücksichtigt wird. Mit ihren selten gezeigten, vielfach einzigartigen und nicht ausgeführten Entwürfen stellt die Ausstellung eine besondere Rarität für Kunstkenner und anspruchsvolle Sammler dar.

Zu den bedeutendsten Exponaten der Ausstellung gehört die Vorzeichnung für das den heiligen Emmerich darstellende Glasfenster der St.-Stephans-Basilika. Sie stellt eine unmittelbare Verbindung zwischen dem auf Papier dokumentierten Schaffensprozess des Künstlers und einem seiner bekanntesten monumentalen Werke her, das noch heute an seinem ursprünglichen Standort zu sehen ist. Von besonderer Bedeutung ist darüber hinaus ein eigens für den Bahnhof von Székesfehérvár geschaffener Glasfensterentwurf. Das 1953 gemeinsam mit György Z. Gács für den Bahnhof ausgeführte monumentale Glasfenster ist ein wichtiges Beispiel für den seltener vertretenen profanen Bereich von Pituks glasmalerischem Schaffen. Der hier präsentierte Entwurf, der sich in mehreren Einzelheiten von der ausgeführten Fassung unterscheidet, stellt ein besonders wertvolles Dokument zur Entstehung der Komposition dar. Eine weitere Besonderheit der Ausstellung ist ein für die Herz-Jesu-Pfarrkirche in Városmajor entworfener, letztlich jedoch nicht ausgeführter Glasfensterentwurf, der ein bislang kaum zugängliches Kapitel von Pituks Vorstellungen monumentaler kirchlicher Kunst bewahrt.

Ergänzt wird die Auswahl durch ein Selbstporträt Pituks aus seiner Jugendzeit, das der Präsentation der monumentalen Glasfensterentwürfe einen persönlichen Rahmen verleiht und zugleich den Künstler selbst dem Besucher näherbringt. Ziel der Ausstellung ist es, József Viktorián Pituk anhand dieser bislang unbekannten Arbeiten nicht nur als Maler und Grafiker, sondern auch als einen bemerkenswerten und einer Neubewertung würdigen Vertreter der ungarischen figurativen Glasmalerei des 20. Jahrhunderts vorzustellen.

Unser besonderer Dank gilt István Tenkely, der durch seine Unterstützung und die Bereitstellung der Werke die Realisierung dieser Ausstellung ermöglicht hat.
 

Ausgestellte Werke

Eindrücke von der Ausstellung

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