Amerigo Tot (1909 - 1984)
Lebenslauf








Lebenslauf
Amerigo Tot – Über sein Leben und seine Kunst
Amerigo Tot (geboren als Imre Tóth, 1909–1984) war ein aus Ungarn stammender Bildhauer und Künstler, der den größten Teil seines Berufslebens in Italien verbrachte. Sein Werk umfasst figurative Plastik, monumentale Kunst am Bau, Zeichnung und Keramik.
Geboren: ,
Fehérvárcsurgó. Gestorben: , Rom.Name, Familie und Ausbildung
Imre Tóth wurde am 27. September 1909 in Fehérvárcsurgó als Sohn von Imre Tóth und Zsófia Naszályi geboren. Die Familie zog Anfang der 1920er Jahre nach Budapest. Den Namen Amerigo Tot verwendete er erstmals 1937 beim römischen Skanderbeg-Wettbewerb. In Budapest erhielt er eine kunstgewerbliche Ausbildung. Die Forschungschronologie nennt Ferenc Helbing, György Leszkovszky und Károly Weichinger als Lehrer. Sein Aufenthalt am Bauhaus in Dessau fällt etwa in die Jahre 1930–1931. Nach Dresden gelangte er 1933 nach Rom, studierte kurz bei Angelo Zanelli und erhielt anschließend ein Stipendium für das Collegium Hungaricum. Historische Namensformen und Studienangaben sollten zusätzlich anhand von Archivunterlagen geprüft werden.
Römische Anfänge und Kriegsjahre
Nach seiner Ankunft in Rom 1933 lebte Tot zunächst von Porträtzeichnungen und Gelegenheitsarbeiten. Das Studium bei Angelo Zanelli und der anschließende Aufenthalt im Collegium Hungaricum führten ihn von der Zeichnung verstärkt zur Bildhauerei. Sein Interesse an Donatello, am Relief der Renaissance und an antiken Formen lässt sich an frühen Porträts und Plastiken nachvollziehen. 1937 gewann er einen Wettbewerb für ein Reiterdenkmal des albanischen Nationalhelden Skanderbeg; politische Ereignisse verhinderten die Ausführung des großen Projekts. Im Zweiten Weltkrieg übernahm er Kurieraufgaben im Umfeld des italienischen Widerstands. Einzelne Details dieser Episoden bedürfen weiterer Prüfung in Archiven.
Figur, Abstraktion und Architektur
Auf frühe Porträts, religiöse Reliefs und Frauenfiguren folgten in den 1940er Jahren archaische Formen und die Kavicsasszonyok, die „Kieselfrauen“. Seit den 1950er Jahren experimentierte Tot mit organischen und geometrischen Formen, Beton, Metallreliefs und baugebundenen Aufträgen. Der 1953 vollendete Fassadenfries des Bahnhofs Roma Termini gehört zu seinen bekanntesten Arbeiten. Zeichnungen, Skizzen, Modelle, Güsse und ausgeführte Werke sind unterschiedliche Objektarten; sie dürfen nicht automatisch als dasselbe Exemplar gelten. Tot arbeitete auch mit Keramik in Vietri sul Mare und lehrte ab 1971 an der Kunstakademie in Bari.
Nachkriegsatelier und Kieselfrauen
In der zweiten Hälfte der 1940er Jahre entstanden in seinem Atelier in der Via Margutta Porträts, sitzende und stehende Figuren sowie archaisch wirkende Frauenkörper. 1946 lernte er die Malerin Eva Fischer kennen; Zeichnungen und historische Fotografien dokumentieren die Verbindung. Bei den vom Kieselstein angeregten Figuren verdichtete er den Körper zu kompakter Masse, glatten Flächen und innerer Bewegung. Werke mit verwandten Titeln sind nach Material, Maßen und Gussgeschichte zu unterscheiden. Tot schuf auch Reliefs, Buchillustrationen und Keramik. Eine Atelierzeichnung kann ein eigenständiges Werk sein und muss nicht allein als Vorstudie für eine Plastik verstanden werden.
Monumentale Arbeiten und Materialien
Aus dem 1949 gewonnenen Auftrag für den Bahnhof Roma Termini entstand bis 1953 ein geschichteter Fassadenfries aus eloxiertem Aluminium. Figürliche Wandgestaltungen auf dem Messegelände in Bari, Entwürfe für das FAO-Gebäude, Arbeiten im Umfeld des Palazzo dello Sport und spätere öffentliche Skulpturen zeigen sein Interesse an Architektur in unterschiedlichen Maßstäben. In den 1950er und 1960er Jahren arbeitete er unter anderem mit Beton, Bronze, Aluminium, Terrakotta und glasierter Keramik. Die Ausstattung des Passagierschiffs Raffaello, das Bandiera-Denkmal in Cosenza und die Apotheose des Samens in Gödöllő stehen für unterschiedliche Auftrags- und Herstellungsprozesse. Modelle und ausgeführte Arbeiten brauchen deshalb getrennte Einträge.
Künstlerisches Umfeld und Aufträge
In Rom gehörte er zum Künstlermilieu der Via Margutta. Mit der Malerin Eva Fischer verband ihn über längere Zeit eine persönliche und künstlerische Partnerschaft. Neben der italienischen Nachkriegskunst pflegte er Kontakte nach Ungarn. Aufträge im Zusammenhang mit dem FAO-Gebäude in Rom, dem Palazzo dello Sport und der ungarischen Kapelle im Petersdom zeigen die Bandbreite seiner Arbeit. Ob ein Entwurf oder eine ausgeführte Arbeit vorliegt, muss jeweils getrennt geprüft werden.
Auszeichnungen, Sammlungen und Rezeption
Die Forschungschronologie nennt den Premio per Giovani Artisti 1938, den Premio Saint Vincent 1946, einen Skulpturenpreis bei der Mostra della Ricostruzione 1950 und einen ersten Preis bei einer Landwirtschaftsausstellung in Rom 1956. 1978 wurde Tot zum goldmedaillierten Mitglied der Italienischen Akademie der Wissenschaften gewählt; 1979 erhielt er eine ungarische staatliche Auszeichnung. Werke befinden sich unter anderem im Szépművészeti Múzeum Budapest und in der Modern Magyar Képtár in Pécs. Die 1978 eröffnete ständige Präsentation in Pécs und die Ausstellung des Ludwig Museums 2009–2010 zeigen den Wandel seiner Rezeption in Ungarn. Tot wurde auf dem Farkasréti Friedhof in Budapest beigesetzt. Sein Grabmal schuf Miklós Melocco. Im ehemaligen Wohn- und Atelierhaus Táncsics Mihály utca 5 im Burgviertel unterhält die Koller Galerie einen Erinnerungsraum. [1] [2]
Rezeption und Forschung
1968 kehrte Tot nach langer Abwesenheit zu einem Besuch nach Ungarn zurück. Die Präsentationen 1969 in Budapest, Tihany und Debrecen sowie die 1978 eröffnete ständige Ausstellung in Pécs machten ihn dort breit bekannt. Das Ludwig Museum untersuchte 2009–2010 mit Párhuzamos konstrukciók auch die politischen und künstlerischen Umstände dieser Rezeption. Péter Nemes erschließt seit 2009 Skulpturen, Zeichnungen, Fotografien, Presseberichte und Publikationen. Ein übereinstimmender Online-Titel oder ein Archivfoto ersetzt jedoch nicht die Prüfung des konkreten Objekts und seiner Provenienz. [1]
Werke und Kunstmarkt
Tots Arbeiten erscheinen auf Auktionen in Ungarn und im Ausland. Für ein konkretes Objekt sind Technik, Maße, Datierung, Guss oder Variante, Zustand, Provenienz sowie Ausstellungs- und Literaturbelege zu prüfen. Historische Fotos können bei der Identifikation helfen; ein übereinstimmendes Motiv beweist für sich noch nicht die Identität eines bestimmten Gusses. Öffentliche Auktionsdaten erlauben weder allgemeine Wertsteigerungsversprechen noch einen einheitlichen Richtpreis.
Kurze biografische Chronologie
1909: Geburt in Fehérvárcsurgó.
1920er Jahre: Kunstgewerbliche Ausbildung in Budapest.
1930–1931: Bauhaus, Dessau.
1932: Erste Dresdner Einzelausstellung laut Forschungschronologie.
1933–1934: Ankunft in Rom; Stipendium am Collegium Hungaricum.
1937: Verwendung des Namens Amerigo Tot beim Skanderbeg-Wettbewerb.
1943–1945: Tätigkeit im Umfeld des italienischen Widerstands.
1946: Begegnung mit Eva Fischer.
1949–1953: Termini-Wettbewerb und Ausführung des Fassadenfrieses.
1952, 1956, 1962: Teilnahmen an der Biennale von Venedig.
1969: Ausstellungsfolge Budapest–Tihany–Debrecen.
1971: Beginn der Lehrtätigkeit in Bari.
1978: Eröffnung einer ständigen Präsentation in Pécs.
1983: Einweihung der Apotheose des Samens in Gödöllő.
1984: Tod in Rom.
Ausstellungen von Amerigo Tot
Diese belegte Auswahl trennt Ausstellungen zu Lebzeiten, Gruppenteilnahmen und spätere Würdigungen. Wenn nur ein Ort oder ein Eröffnungstag belegt ist, werden weder ein Ausstellungstitel noch ein Schlussdatum ergänzt.
Posthume Ausstellungen und spätere Präsentationen
2007 – Mappák Rómából (Mappen aus Rom)
Ungarische Universität der Bildenden Künste, Epreskert, Parthenon-Fries-Saal, Budapest
13. November – 1. Dezember 2007. [1]
2007 – Mappák Rómából (Mappen aus Rom)
Schloss Lamberg, Mór.
2009–2010 – Amerigo Tot – Párhuzamos konstrukciók (Parallele Konstruktionen)
Ludwig Museum, Budapest
9. Oktober 2009 – 3. Januar 2010. [2]
2010 – Amerigo Tot (1909–1984): Grafikausstellung und Eröffnung des Erinnerungsraums
Koller Galerie, Budapest
24. September – 14. Oktober 2010. [3]
2011 – Talking Artworks
Koller Galerie, Budapest
8.–23. Dezember 2011. [4]
2012 – Amerigo Tot und Eva Fischer: Egy szerelem nyomában (Auf den Spuren einer Liebe)
Koller Galerie, Budapest
6.–31. Dezember 2012. [5]
2020 – A múzeum múzeuma (Das Museum im Museum), Amerigo-Tot-Kabinettausstellung
Janus Pannonius Museum, Modern Magyar Képtár, Pécs
Eröffnung: . [8]
2023 – From Rome with Love: studio drawings 1946–48
Koller Galerie, Budapest
17. Februar – 12. März 2023. [6]
Einzel- und Überblicksausstellungen zu Lebzeiten
1932 – Erste Einzelausstellung
Brücke Galerie, Dresden.
1948 – Einzelausstellung
Rom, September.
1962 – Eigenständige Präsentation auf der 31. Biennale von Venedig
Venedig.
1966 – Einzelausstellung
New York.
1969 – Überblicksausstellung
Műcsarnok, Budapest; Eröffnung: 24. März.
1969 – Fortsetzung der Budapester Ausstellung
Benediktinerabtei, Tihany; Eröffnung: 22. Juni.
1969 – Fortsetzung der Ausstellungsfolge
Kossuth Lajos Universität, Debrecen; Eröffnung: 4. Oktober.
1970 – Abschluss der ungarischen Ausstellungsfolge
Szeged, Januar.
1970 – Präsentation neuer Skulpturen
New York, April.
1973 – Einzelausstellung
Palermo.
1978 – Eröffnung einer ständigen Amerigo-Tot-Präsentation
Pécs.
1982 – Letzte Ausstellung in Ungarn
Vigadó Galerie, Budapest; 18. März – 18. April.
Ausgewählte Gruppenausstellungen
1943: 4. Quadriennale, Rom.
1948: 5. Quadriennale, Rom.
1951: 6. Quadriennale, Rom; Dezember.
1952: 26. Biennale von Venedig, italienischer Pavillon.
1955: 7. Quadriennale, Rom; November.
1956: 28. Biennale von Venedig.
1959: 8. Quadriennale, Rom.
1963: Actualité de la Sculpture, Paris.
1971: Modern olasz szobrászat, Műcsarnok, Budapest; Januar. [7]
1978: Biennale der Kleinplastik, Pécs.
Weitere internationale Präsentationen
1950: Präsentationen ohne belegte Titel in der Schweiz, Dänemark und Schweden.
1954: Ausstellung in Bologna.
1962: Präsentation ohne belegten Titel in London.
Amerigo Tot – Literaturverzeichnis
Die Liste vereint die in dieser Recherche online identifizierten Bücher und Ausstellungskataloge. Sie ist keine abgeschlossene Bibliografie aller jemals erschienenen Zeitschriftenartikel, Pressebeiträge und Buchkapitel über Tot. Fehlende Impressumsangaben müssen anhand der Exemplare geprüft werden.
1950. Emilio Villa: Sculture e disegni di Tot. Rom: La palma, [3] + 43 Seiten. [Nachweis]
1954. Emilio Villa: Tot. Rom: La palma, 41 + [16] Seiten und 32 Bildtafeln. [Nachweis]
1969. Tot I Tihany I 69. Kulturális Kapcsolatok Intézete, 60 Seiten.
1976. Amerigo Tot. Verlag nicht ermittelt, 136 Seiten.
1978. Tot. Carte Segrete, 142 Seiten.
1979. Amerigo Tot szobrai: Modern Magyar Képtár, Pécs. Text und Redaktion: Tamás Aknai. Pécs: Janus Pannonius Múzeum, 28 Seiten. [Nachweis]
1982. Amerigo Tot szobrászművész kiállítása a Magyar Népköztársaság Művészeti Alapjának kiállítótermében. Redaktion: Zsuzsa D. Fehér. Budapest: Vigadó Galéria, [16] Seiten. [Nachweis]
1982. Éva Hárs: Modern művészet a pécsi múzeumokban. 1. Önálló gyűjtemények: Amerigo Tot szobrai, Csontváry Múzeum, Martyn-gyűjtemény, Uitz Múzeum, Vasarely Múzeum. Budapest: Képzőművészeti Kiadó, 30 Seiten. [Nachweis]
1983. Tot – Amerigo Tot. Idegenforgalmi Vállalat, 174 Seiten.
2007. Mappák Rómából, Ausstellungskatalog. Verlagsangaben und Umfang zu prüfen. [Nachweis]
2009. Amerigo Tot, Publikation mit 210 Seiten. Verlagsangaben zu prüfen.
2009. Amerigo Tot. Párhuzamos konstrukciók. Redaktion: Emese Kürti und József Mélyi. Budapest: Ludwig Múzeum, 117 Seiten; ISBN 978-963-9537-22-4. [Nachweis]
2012. Siesta. Institutionelle Ausgabe, 40 Seiten.
2014. Amerigo Tot – Questing in Italy. Institutionelle Ausgabe, 268 Seiten.
2019. Amerigo. Budapest: Európa Kiadó, 360 Seiten.
Eine ältere Online-Liste nennt für Tot von 1954 insgesamt 100 Seiten. Die detaillierte Beschreibung einer Museumsbibliothek führt 41 + [16] Seiten und 32 Bildtafeln auf. Die 210 Seiten umfassende Ausgabe Amerigo Tot von 2009 wird nicht ohne Prüfung mit dem gesondert belegten, 117-seitigen Katalog des Ludwig Museums gleichgesetzt. Beim Pécser Katalog Amerigo Tot szobrai nennt die regionale Bibliografie [1979] und Tamás Aknai; eine andere Online-Angabe nennt 1978 und einen anderen Namen. Das Impressum des Exemplars muss die Abweichung klären.
Bibliografische Nachweise
Quellen und abweichende Angaben
Biografische Quellen
Für den Umzug nach Budapest nennen Quellen 1920 oder 1921, für die erste Dresdner Ausstellung 1931 oder 1932. Wir ordnen den Umzug den frühen 1920er Jahren zu und folgen bei der Ausstellung der ausführlichen Forschungschronologie mit 1932. Auch bei den Lehrern weichen die Namen Gyula Kaesz und Károly Weichinger voneinander ab; Studienunterlagen könnten dies klären.
Quellen zu den Ausstellungen
- Ungarische Universität der Bildenden Künste – Mappák Rómából
- Ludwig Museum – Párhuzamos konstrukciók
- Koller Galerie – Amerigo Tot, 2010
- Koller Galerie – Talking Artworks, 2011
- Koller Galerie – Egy szerelem nyomában, 2012
- Koller Galerie – From Rome with Love, 2023
- Filmhíradók Online – Modern olasz szobrászat, 1971
- Janus Pannonius Museum – A múzeum múzeuma, 2020




































