Biografie
János Kass (1927–2010) war ein außergewöhnlich vielseitiger ungarischer Künstler: Grafiker, Maler und Bildhauer. Sein Werk umfasst Grafik, Buchkunst und Illustration sowie Skulptur und verbindet häufig traditionelle Techniken mit einer modernen Formensprache.
Ausbildung und Lehrtätigkeit
Von 1942 bis 1946 studierte er Keramik an der Hochschule für angewandte Kunst. Von 1946 bis 1951 setzte er seine Studien im Fach Grafik an der Ungarischen Akademie der Bildenden Künste fort, wo Gyula Hincz, György Konecsni und György Kádár zu seinen Lehrern zählten.
1960–61 war er Aspirant an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig im Bereich Buchkunst. Von 1967 bis 1981 lehrte er an der Grafikabteilung der Ungarischen Hochschule für angewandte Kunst. Zu dieser Zeit zählte er bereits zu den bedeutendsten Buchillustratoren.
Künstlerische Bereiche und Innovation
Seit 1973 beschäftigte er sich auch mit der Gestaltung von Briefmarken sowie mit Filmplakaten. In seinem umfangreichen künstlerischen Schaffen arbeitete er in nahezu allen Bereichen der grafischen Kunst – von freien Zeichnungen über verschiedene Drucktechniken bis hin zur Buchillustration.
Gemeinsam mit dem international bekannten, ungarischstämmigen Animationsfilmer John Halas entwickelte er den frühen computeranimierten Film Dilemma.
Materialien und Stil
Kass schuf Marmorskulpturen, experimentierte jedoch ebenso mit modernen Materialien. Seine über mehrere Jahrzehnte entstandene Objektserie Heads, gefertigt aus Polystyrol, entwickelte er gemeinsam mit Freunden und Künstlerkollegen.
Die Wurzeln seiner Kunst liegen sowohl in der ungarischen als auch in der universellen Kultur sowie in den sich stetig erneuernden Formen der Moderne. Seine auf grafischer Tradition basierende Technik verbindet sich häufig mit Collage und konstruktivistischen Formelementen. Seine Werke zeichnen sich durch eine sensible Auseinandersetzung mit der menschlichen Existenz (individuell und gesellschaftlich), kulturellen Traditionen sowie Fragen von Technik und Wissenschaft aus; auch Literatur und Musik spielten eine wichtige Rolle als Inspirationsquellen.
Serien und zentrale Themen
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Moses – dramatische Spannung und emotionale Intensität der Nachkriegszeit
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Psalmus Hungaricus – Spiegel gesellschaftlicher Existenzbedingungen der 1970er Jahre
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Die Tragödie des Menschen – Ausdruck einer universellen Weltanschauung
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Altes Testament – sakrale Darstellungen mit Fokus auf moralische Werte
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Herzog Blaubarts Burg – menschliche Beziehungen und ein humanistisches Menschenbild
Sammlungen und Vermächtnis
Zahlreiche Werke von János Kass befinden sich in der Ungarischen Nationalgalerie. Seit 1985 zeigt die János Kass Galerie in Szeged eine ständige Ausstellung seiner Arbeiten.
Zeitleiste
János Kass – wichtige biografische Stationen
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Jahr |
Biografie |
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1927 |
Geboren in Szeged |
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1942–1946 |
Hochschule für angewandte Kunst, Keramik |
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1946–1951 |
Ungarische Akademie der Bildenden Künste, Grafik |
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1960–1961 |
Hochschule für Grafik und Buchkunst, Buchkunstabteilung, Leipzig |
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1965–1973 |
Kunstredakteur der Zeitschrift „Új Írás“ („Neue Schrift“) |
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1967–1981 |
Lehrtätigkeit an der Ungarischen Hochschule für angewandte Kunst, Grafikabteilung |
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Seit 1973 |
Gestaltung von Briefmarken |
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Mitglied der Ungarischen Malergesellschaft, ATIPY ICTA, DCC (London), CDL (Frankreich) und des Deutschen Buchkünstlerverbandes |
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Ehrenbürger von Szeged |
Auszeichnungen
János Kass – Preise und Ehrungen
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Jahr |
Auszeichnung |
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1999 |
Preis „Schönstes Buch“ auf der Buchkunstausstellung in Frankfurt |
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1999 |
Kossuth-Preis |
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Auszeichnungen auf der Weltausstellung in Brüssel sowie bei internationalen Buchwettbewerben in Moskau, Brno, Toronto, Bratislava und São Paulo |
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1992 |
Verdienstorden der Republik Ungarn (Offizierskreuz) |
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1986 |
Hervorragender Künstler |
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1966, 1977 |
Verdienter Künstler |
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1966, 1977 |
Preis „Schönstes Buch“ auf der Buchkunstausstellung in Leipzig |
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1954, 1967 |
Munkácsy-Preis |
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1956–1959 |
Derkovits-Stipendium |
Einzelausstellungen (Auswahl)
János Kass – ausgewählte Einzelausstellungen
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Jahr |
Ort |
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2000 |
Zsámbéki Szombatok, Kulturhaus, Zsámbék |
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Ungarische Akademie, Rom |
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Ferenc-Móra-Museum – Kass Galerie, Szeged |
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1999 |
Kulturhaus, Veszprém |
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1997 |
Lajos-Kossuth-Universität, Debrecen |
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1996 |
Ungarische Botschaft, Kopenhagen |
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1994 |
Arte Fiera, Bologna |
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1990–1991 |
Olympia, National Hall, London |
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1989 |
Ivanoff Galerie, Aachen |
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1986 |
Fitzwilliam Museum, Cambridge |
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1983 |
Vigadó Galerie, Budapest |
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1977 |
Retrospektive, Lajos-Kossuth-Universität, Debrecen |
Werke in öffentlichen Sammlungen
János Kass – ausgewählte öffentliche Sammlungen
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Sammlung |
Ort |
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Bankside Gallery |
London |
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Deutsche Bücherei |
Leipzig |
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Fitzwilliam Museum |
Cambridge |
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Ottó-Herman-Museum |
Miskolc |
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Kunstmuseum |
Basel |
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Ungarische Nationalgalerie |
Budapest |
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Pinakothek |
Wien |
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Petőfi-Literaturmuseum |
Budapest |
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Shakespeare Museum |
Stratford |